Vor-Verurteilung

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Leserbrief

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Dr. Alfred Fleissner                                             Telefon 040-5500184

Vogt-Kock-Weg 9                                  E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

22459 Hamburg                                                            06. April 2008

 

 

Hamburger Abendblatt,

Lokalredaktion,

Postfach 2110,

20350 Hamburg

 

 

Leserbrief

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

als langjähriger Leser des Hamburger Abendblattes schreibe ich Ihnen nach reiflicher Überlegung, um Sie darauf aufmerksam zu machen, wie ein Artikel im Hamburg-Teil, erschienen auf Seite 16 am 13. März 2008 mit dem Thema „PROZESS: KAMIAR M. WURDE BEREITS SUSPENDIERT“ und der Schlagzeile „Frau missbraucht? Polizist angeklagt“, auf mich gewirkt hat. Ich habe mich gefragt, weshalb ich den Eindruck gewonnen hatte, dass hier ein Mensch vorverurteilt wird und weshalb ich das ungute Gefühl nicht los wurde, dass ausgerechnet ein Polizist, noch dazu gut erkennbar mit lächerlich anmutendem Balken auf den Augen, verleumdet wird.

Folgerichtig habe ich meine in der Konfliktberatung aufgebauten Kontakte zu verschiedenen Polizeibeamten genutzt und eine völlig andere Version erfahren. 

Herr Sascha Balasko schreibt in diesem Bericht auf über 100 Zeilen so, als ob er Einzelheiten wüsste, und erweckt den Anschein, als müsse der Wiederholung eines vergeblich im November 2005 zur Anklage gebrachten ähnlichen Tatverdachts Bedeutung zugemessen werden. Insider, die den Fall kennen, können sich nur wundern über eine Fantasie, die zu einer seriösen Berichterstattung so gar nicht passt.

Folgende Fakten hätten berücksichtigt werden müssen:

- Der betreffende Polizeibeamte hatte am Tag seiner vorläufigen Festnahme am 12.09.2007 keinen Dienst, sondern war in seiner Freizeit selbstverständlich unbewaffnet. 

- Die Schusswaffe befand sich in seiner Dienststelle im dafür vorgesehenen Schließfach.

- Der Polizeibeamte hatte am Morgen des 12.09.2007 erfahren, dass für 15 Uhr ein Termin im Polizeipräsidium anberaumt worden war.

- In den Reihen der Polizeibeamten ist sehr wohl bekannt, dass Termine beim Leitenden Polizeidirektor, K. Lehmann, nichts Gutes bedeuten. Somit wusste auch dieser Polizeibeamte, was ihn erwartete.

- Vor dem Termin im Polizeipräsidium hatte er erfahren, dass eine Strafanzeige wegen eines Sexualdelikts gegen ihn erstattet worden war und dass seine Kollegen gegen ihn ermitteln mussten.

- Er berichtete sogar anderen Polizeibeamten von seinem Wissen, bevor er sich zum Polizeipräsidium begab.

- Gegen 14.30 h traf er sich mit seinem Vorgesetzten, der ebenfalls an dem Termin im Polizeipräsidium teilnahm. Er fuhr freiwillig, nicht auf der Flucht befindlich, mit ihm ins Präsidium.

- MOPO und Bild berichteten am 14.09.2007.

Bei sachlicher Recherche hätte Herr Balasko, der als  Polizeireporter enge Kontakte zur Polizeiführung hat, die Frage aufwerfen müssen, weshalb das MEK, die Eliteeinheit der Hamburger Polizei, die sonst schwer bewaffnete und gefährliche Terroristen festnimmt, in das Büro des Leitenden Polizeidirektors stürmte, um einen Berufskollegen festzunehmen, der sich freiwillig und unbewaffnet dort eingefunden hatte. Er hätte darauf verweisen können, dass es ganz enge Bestimmungen gibt, wann das MEK zum Einsatz kommen soll und wann eine Person gefesselt werden darf. Unnötigerweise wurde Kamiar M. auch noch mit gezogener Waffe, die Zieleinrichtung (roter Laserpunkt) auf den Oberkörper gehalten, gezwungen, sich auf den Boden zu legen und die Hände auf dem Rücken fesseln zu lassen. Von Polizeibeamten, die sich natürlich nicht an die Öffentlichkeit trauen dürfen, verlautete, dass die Version des Herrn Balasko nur dazu dienen sollte, ein widerrechtliches Vorgehen zu rechtfertigen.

In Kollegenkreisen ist bekannt, dass die Führung der Hamburger Polizei den unliebsamen Mitarbeiter Kamiar M. aus dem Dienst entfernen will, der von seinen direkten Kollegen ob seines Durchhaltevermögens geschätzt und bewundert wird. Anscheinend lässt sich hier ein Journalist von der Polizeiführung benutzen, um eine Hetzjagd auf diesen Mitarbeiter zu starten.

Bedenkt man weiterhin, dass eine zweite erstattete Strafanzeige gar nicht erst Beachtung gefunden hat und im aktuellen Fall das zuständige Gericht mit Erhalt der Strafakte sowohl den Haftbefehl als auch die Meldeauflage von sich aus aufgehoben hat, mutet der Verweis auf das Verfahren vom November 2005, das schließlich mit einem Freispruch endete, tendenziös wie an den Haaren herbeigezogen an.

Herr Balasko scheint in seiner speziellen Art, von dem damaligen Fall zu berichten, den Eindruck erwecken zu wollen, die Große Strafkammer des Landgerichts Hamburg mit vier Berufsrichtern und zwei Schöffen wäre als weltfremd und nichts merkend einzuschätzen. Er geht aber nicht darauf ein, dass seinerzeit an 11 Verhandlungstagen 23 Zeugen vernommen wurden.

Aus Insiderkreisen ist bekannt, dass die Polizeiführung mit der Entscheidung des Gerichts 2006 nicht einverstanden war, aber selbst die Staatsanwaltschaft hatte damals eingesehen, dass ihre Revision vor dem Bundesgerichtshof keine Chance auf Erfolg haben konnte, und zog diese folgerichtig zurück.

Unter Verzicht auf eine Gegendarstellung verlässt sich der angeschuldigte Polizeibeamte mit seinem erfahrenen und renommierten Strafverteidiger U. Maeffert darauf, dass man in der fälligen Hauptverhandlung ab dem 29.05.2008 vor dem AG-Blankenese der Wahrheit auf die Spur kommen wird.

Ich würde mich freuen, wenn Herr Balasko bereit wäre, mir sein Vorgehen zu erklären. Vielleicht findet sich unter den verantwortlichen Redakteuren jemand, der das ernste Thema Mobbing aufzugreifen bereit ist. Natürlich braucht es Mut, sich für Minderheiten einzusetzen, die durch perverse Machenschaften von mobbenden Mehrheiten in die unterlegene Position gebracht wurden und naturgemäß über keine Lobby verfügen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Dr. Alfred Fleissner

 
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